Esel & Haltung

Esel Futter: Heu oder Stroh? So sieht das Grundfutter aus

Stroh als Basis, spät geschnittenes Heu als Ergänzung, Weide nur begrenzt: So sieht das Grundfutter für Esel aus – mit Vergleich Heu vs. Stroh und Tipps für jede Jahreszeit.

5 Min. LesezeitVon DON DONKEY'S

Esel auf der Wiese – Esel Futter: Heu oder Stroh?
Inhalt
  1. Warum Esel anders fressen als Pferde
  2. Heu oder Stroh? Der direkte Vergleich
  3. So sieht ein Futteralltag mit Eseln aus
  4. Weide und Jahreszeiten
  5. Was nicht in den Trog gehört
  6. Häufige Fragen

Die Basis der Eselfütterung ist Stroh – Gersten- oder Haferstroh –, ergänzt durch spät geschnittenes, strukturreiches Heu. Dazu kommen eine begrenzte, magere Weide, jederzeit frisches Wasser und Salz oder Mineralfutter nach Bedarf. Kraftfutter braucht ein Esel in aller Regel nicht. Klingt karg? Genau das ist der Punkt.

KurzantwortStroh als Basis, strukturreiches Heu ergänzend, Weide nur begrenzt.
MengeÜber den Tag verteilt fast immer etwas zum Kauen, aber wenig Energie. Die genaue Ration hängt vom Tier ab.
AchtungKein Kraftfutter ohne Grund, üppiges Gras und Leckerlis begrenzen.

Warum Esel anders fressen als Pferde

Esel stammen aus kargen, trockenen Regionen. Dort finden sie über den Tag verteilt wenig nährstoffreiches, dafür faserreiches Futter: harte Gräser, Kräuter, Zweige. Ihr Verdauungssystem ist genau darauf ausgelegt. Es holt aus wenig Energie erstaunlich viel heraus.

Deshalb sind Esel keine kleinen Pferde. Eine Ration, die für ein Pferd knapp wäre, ist für einen Esel oft schon reichlich. Zu viel Zucker, zu viel Stärke und zu üppiges Futter fördern Übergewicht und gelten als Hauptrisiko für Hufrehe beim Esel. Fehlfütterung kann außerdem Koliken begünstigen.

Gleichzeitig wollen und sollen Esel lange kauen. Sie sind darauf eingestellt, viele Stunden am Tag mit Fressen zu verbringen. Lange Fresspausen passen nicht zu ihrem Verdauungssystem. Die Kunst der Eselfütterung liegt also darin, viel Beschäftigung mit wenig Energie zu verbinden.

Heu oder Stroh? Der direkte Vergleich

Viele Halterinnen und Halter fragen: Heu oder Stroh – was ist richtig? Die Antwort lautet: beides, in der richtigen Rolle. Stroh bildet die Basis, Heu ergänzt.

Merkmal Stroh (Gerste, Hafer) Heu (spät geschnitten)
Rolle im Futterplan Basis, über viele Stunden verfügbar Ergänzung, in Portionen
Energie und Zucker niedrig höher als Stroh, je nach Schnittzeitpunkt
Struktur und Kauzeit sehr faserreich, lange Kauzeit strukturreich, wenn spät geschnitten
Beliebtheit wird gern gefressen, aber weniger gierig sehr beliebt, wird schneller gefressen
Worauf achten sauber, trocken, staub- und schimmelfrei gut abgelagert, nicht muffig, kein frühes, blattreiches Heu
Typischer Fehler Stroh nur als Einstreu sehen Heu zur freien Verfügung bei leichtfuttrigen Eseln

Warum Gersten- oder Haferstroh? Beide sind vergleichsweise weich und werden von Eseln gern gefressen. Weizenstroh ist härter und wird oft weniger angenommen. Entscheidend ist in jedem Fall die Qualität: Stroh muss trocken, sauber und frei von Schimmel sein.

Warum spät geschnittenes Heu? Je später Gras geschnitten wird, desto mehr Fasern und desto weniger Zucker enthält es in der Regel. Frühes, blattreiches Heu ist für Pferde im Training gedacht, nicht für Esel. Gutes Eselheu riecht angenehm, ist nicht staubig und enthält keine Giftpflanzen.

So sieht ein Futteralltag mit Eseln aus

Feste Mengen für alle Esel gibt es nicht. Größe, Gewicht, Alter, Bewegung, Jahreszeit und Vorgeschichte spielen eine Rolle. Diese Grundsätze helfen dir trotzdem bei der Planung:

  • Stroh möglichst lange verfügbar: Dein Esel sollte über den Tag verteilt fast immer etwas zum Kauen haben. Lange Fresspausen solltest du vermeiden.
  • Heu portionieren: Heu gibst du in kleineren Mengen dazu, gern auf mehrere Mahlzeiten verteilt. Engmaschige Heunetze verlängern die Fresszeit.
  • Wasser jederzeit: Frisches, sauberes Wasser muss immer erreichbar sein. Im Winter achtest du darauf, dass Tränken nicht zufrieren.
  • Salz und Mineral: Ein Salzleckstein ist üblich. Ob und welches Mineralfutter dein Esel braucht, besprichst du mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.
  • Figur im Blick: Taste regelmäßig Hals, Rücken, Rippen und Bauch ab. Fettpolster, etwa am Mähnenkamm, sind ein Warnsignal. Dann wird die Ration angepasst, nicht erst im nächsten Jahr.
  • Zähne kontrollieren lassen: Wer schlecht kaut, verwertet Raufutter schlechter. Regelmäßige Zahnkontrollen gehören deshalb zur Fütterung dazu.
  • Futterwechsel langsam: Neue Heu- oder Strohchargen und Weidebeginn führst du schrittweise ein.

Weide und Jahreszeiten

Weide ist für Esel Bewegung, Beschäftigung und Futter zugleich. Sie ist aber kein Freifahrtschein. Eine üppige, gedüngte Wiese liefert einem Esel schnell mehr Energie, als er braucht. Magere, begrenzte Flächen passen besser. Wie das in der Praxis aussehen kann, liest du in Esel-Haltung: Sand statt Wiese.

  • Frühling: Das junge Gras wächst schnell und ist zuckerreich. Das ist für Esel die heikelste Zeit. Gewöhne deine Tiere langsam an die Weide und halte die Weidezeit zunächst kurz. Stroh bleibt die Basis.
  • Sommer: Das Gras wird älter und faserreicher. Trotzdem gilt: begrenzte Fläche oder Weidezeit, ein trockener Auslauf mit Stroh als Ausgleich und Schatten.
  • Herbst: Nach Regen treibt das Gras oft noch einmal kräftig aus. Kalte, sonnige Tage gelten ebenfalls als heikel, weil Gras dann viel Zucker speichern kann. Dazu kommt Fallobst. Kastanien, Eicheln und Pflaumen sammelst du regelmäßig ab – mehr dazu in Dürfen Esel Kastanien fressen? und Dürfen Esel Pflaumen fressen?.
  • Winter: Die Weide liefert kaum noch Futter, Stroh und Heu übernehmen komplett. Wichtig ist ein trockener Unterstand ohne Zugluft. Das Fell von Eseln hält Nässe weniger gut ab als das vieler Pferde. Mehr Stroh hilft zusätzlich, weil Kauen und Verdauen Wärme erzeugen.

Was nicht in den Trog gehört

Viele Fütterungsprobleme entstehen nicht durch zu wenig, sondern durch zu viel und das Falsche. Diese Dinge haben im Futterplan nichts zu suchen:

  • Kraftfutter ohne Grund: Getreide, Müsli und Pellets sind für die meisten Esel überflüssig. Ausnahmen, etwa bei älteren Eseln mit Zahnproblemen, klärst du mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
  • Brot und Getreide: Warum Brot tabu ist, erklärt Dürfen Esel Brot fressen?. Für Mais gilt dasselbe: Dürfen Esel Mais fressen?.
  • Rasenschnitt und Gartenabfälle: Sie gären schnell und können Giftpflanzen enthalten. Mehr in Dürfen Esel Rasenschnitt fressen?.
  • Leckerlis als Futterbestandteil: Obst und Gemüse gibt es höchstens selten, klein und als Belohnung, in Spalten oder längs in Streifen geschnitten. Bei übergewichtigen Eseln oder Eseln mit Hufrehe-Vorgeschichte verzichtest du besser ganz darauf.

Und noch ein Hinweis für alle, die keine eigenen Esel haben: Fremde Esel fütterst du nie ohne Erlaubnis der Halter. Welche Lebensmittel Esel überhaupt fressen und essen dürfen, findest du in Was Esel fressen dürfen: die komplette Futterliste.

Häufige Fragen

Können Esel nur mit Stroh gefüttert werden?

Stroh ist die Basis, aber meist nicht alles. Spät geschnittenes Heu und eine begrenzte Weide ergänzen den Futterplan. Wie das Verhältnis für deinen Esel aussehen sollte, hängt von Gewicht, Alter und Jahreszeit ab. Besprich es mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt.

Dürfen Esel Heulage oder Silage fressen?

In der Regel nicht empfehlenswert. Heulage und Silage sind feuchter, gehaltvoller und werden schneller gefressen als Heu. Für Esel ist trockenes Raufutter die passendere Wahl.

Wie oft am Tag sollte ich meinen Esel füttern?

Möglichst so, dass lange Fresspausen vermieden werden. Stroh steht idealerweise über viele Stunden zur Verfügung, Heu gibst du auf mehrere Portionen verteilt.

Braucht ein Esel im Winter Kraftfutter?

Meist nicht. Mehr Stroh, ergänzend Heu und ein guter Unterstand reichen in der Regel aus. Nimmt dein Esel ab, lass die Ursache von deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt abklären.

Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung zur Fütterung von Eseln. Bei Fragen zu deinem Tier, bei Vorerkrankungen oder Auffälligkeiten wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.

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