Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle
Galen über Eselsmilch: Ratschläge zur Lebensweise im Alter
Der Arzt Galen empfahl um 175 n. Chr. für ältere Menschen, Ziegen- und Eselsmilch im Wechsel zu trinken: Eselsmilch sei dünn und molkenreich, Ziegenmilch von mittlerer Konsistenz.
- Urheber
- Galenos von Pergamon (Galen)
- Werk
- De sanitate tuenda (Über die Erhaltung der Gesundheit)
- Stelle
- Buch V, Kap. 7; Ausgabe Kühn, Bd. VI, S. 346
- Zeit & Raum
- um 175 n. Chr. · Römisches Reich (Rom)
- Quellenart
- Antike Medizinschrift
Im Wortlaut
Was im Original steht
Satiusque fuerit alterum capram, alterum asinam esse, earumque lacte alternis vicibus uti; quippe asinae lac tenue serosumque est, caprae mediocris substantiae est.
Besser wäre es, wenn das eine Tier eine Ziege, das andere eine Eselin wäre und man ihre Milch im Wechsel verwendete; denn Eselsmilch ist dünn und molkenreich, Ziegenmilch von mittlerer Beschaffenheit.
τὸ δ᾽ ὄνειον ἀσφαλέστερον πάντη.
Die Eselsmilch aber ist in jeder Hinsicht die vorsichtigere Wahl.
Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.
Hintergrund
Wer, wann, welche Art Text
Galenos von Pergamon (129 – um 216 n. Chr.) war Leibarzt mehrerer römischer Kaiser und einer der einflussreichen Ärzte der Antike. Seine Schriften prägten die Medizin in Europa und im arabischen Raum bis in die frühe Neuzeit.
„De sanitate tuenda“ in sechs Büchern ist eine Lehre von der gesunden Lebensführung. Das fünfte Buch behandelt die Lebensweise älterer Menschen. Galen erörtert darin Nahrungsmittel nach ihrer Bekömmlichkeit, darunter ausführlich Milch.
Wir zitieren nach der Gesamtausgabe von Carl Gottlob Kühn (Leipzig 1821–1833), die neben dem griechischen Text eine ältere lateinische Übersetzung abdruckt. Der Band VI ist als Scan frei zugänglich.
Inhalt
Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet
Galen beginnt mit Beispielen: Ein Landmann habe sich bis ins hohe Alter von über hundert Jahren hauptsächlich von Milch ernährt; andere, die ihn nachahmten, hätten die Milch dagegen schlecht vertragen und über Druck im Oberbauch geklagt. Milch sei also nicht für jeden geeignet.
Wer Milch nutzen wolle, solle auf das Tier achten: Es müsse im besten Alter und gut genährt sein und dürfe kein scharfes oder herbes Futter fressen. Galen riet, eine Ziege und eine Eselin zu halten und ihre Milch im Wechsel zu trinken.
Zur Begründung vergleicht Galen beide Milcharten: Eselsmilch sei dünner und molkenreicher, Ziegenmilch von mittlerer Dicke. Ziegenmilch nähre daher mehr, Eselsmilch sei in jeder Hinsicht die vorsichtigere Wahl: Sie gehe schneller durch den Körper, bilde kaum Blähungen und gerinne nicht im Magen, besonders wenn etwas Salz und Honig zugesetzt werde.
In einer weiteren Schrift im selben Band (De probis pravisque alimentorum succis, Kühn VI 765) ordnet Galen Kamel- und Eselsmilch als Milcharten mit dem höchsten wässrigen Anteil ein.
Auf einen Blick
Zahlen & Fakten aus der Quelle
Kritische Einordnung
Wie verlässlich ist diese Quelle?
Abwägend statt pauschal
Galen empfiehlt Milch nicht allgemein. Er nennt ausdrücklich Fälle, in denen sie schlecht vertragen wurde, und knüpft seine Ratschläge an Tier, Futter und den einzelnen Menschen.
Übereinstimmung mit Aristoteles
Galens Beschreibung der Eselsmilch als dünn und molkenreich stimmt mit Aristoteles überein. Heutige Analysen untersuchen die Zusammensetzung von Eselsmilch näher (vgl. Archivstudien 71 und 97).
Medizinischer Rahmen
Galens Urteile beruhen auf der Säftelehre und auf Erfahrungswissen. Sie sind nicht nach heutigen Maßstäben überprüft.
Heutige Einordnung
Aus der Stelle lassen sich keine gesundheitlichen Wirkungen von Eselsmilch ableiten. Sie belegt, wie ein führender antiker Arzt Milcharten nach ihrer Bekömmlichkeit unterschied.
Unsere Einordnung
Galen gefällt uns, weil er differenziert: Er vergleicht Ziegen- und Eselsmilch nüchtern und verschweigt nicht, dass Milch nicht jedem bekommt. Wir lesen das als Medizingeschichte, nicht als Ernährungsrat.
Nachweise
Quellen zum Nachprüfen
- PrimärquelleGriechischer Text mit lateinischer Übersetzung, Ausgabe C. G. Kühn, Bd. VI, S. 346 (Internet Archive)
https://archive.org/details/b29339339_0006
Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.
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