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Was bleibt von Milcheiweiß übrig, wenn man es im Reagenzglas verdaut? Eine türkische Laborstudie hat Casein und Molke aus Esels- und Kamelmilch einer simulierten Verdauung unterzogen. Die entstandenen Eiweiß-Bruchstücke kamen danach in fünf chemische Labortests. Das Ergebnis: Die Bruchstücke aus Casein schnitten in mehreren Tests besser ab als die aus Molke – allerdings mit einigen Lücken und Widersprüchen im Paper.
Laborstudie (in vitro) mit chemischen und enzymatischen Tests im Reagenzglas – keine Aussage über eine Wirkung beim Menschen. Eselsmilch ist ein Lebensmittel.
Die Studie im Steckbrief
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Originaltitel | An evaluation of the in vitro antioxidant and antidiabetic potentials of camel and donkey milk peptides released from casein and whey proteins |
| Autorinnen und Autoren | Akan E. |
| Zeitschrift | Journal of Food Science and Technology, 58(10): 3743–3751 |
| Jahr | 2021 (online seit Oktober 2020) |
| Land | Türkei |
| Studientyp | Laborstudie (in vitro), statische simulierte Verdauung |
| Stichprobe | Esels- und Kamelmilch von je einem Betrieb; 2 Versuchsansätze mit je 3 Messungen; Zahl der Tiere nicht angegeben |
| DOI | 10.1007/s13197-020-04832-5 |
Welche Frage stellten die Forschenden?
Milcheiweiß besteht grob aus zwei Gruppen: Casein und Molkenproteinen. Bei der Verdauung zerlegen Enzyme beide in kurze Ketten aus Aminosäuren, sogenannte Peptide. Die Autorin wollte wissen, wie sich die Peptid-Gemische aus Esels- und Kamelmilch in chemischen Labortests verhalten. Gemessen wurden drei Radikaltests (DPPH, ABTS, CUPRAC) und die Hemmung von zwei Enzymen (DPP-IV und α-Glucosidase) im Reagenzglas.
So wurde untersucht
- Entrahmen: Die Milch wurde zentrifugiert (3.000 × g, 4 °C, 30 Minuten), das Fett abgetrennt.
- Trennen: Bei pH 4,6 fiel das Casein aus; der Überstand war die Molke. So entstanden vier Proben: Esels-Casein, Eselsmolke, Kamel-Casein, Kamelmolke.
- Verdauen: Statische simulierte Verdauung nach einem Standardprotokoll mit Pepsin und Pankreatin. Amylase wurde weggelassen, weil es nur um Eiweiß ging.
- Messen: Hydrolysegrad (Anteil gespaltener Bindungen), Peptidmenge, HPLC-Profil sowie fünf Labortests. Zwei Versuchsansätze, jeweils dreifach gemessen.
Die Ergebnisse
Die Molke-Proben wurden stärker gespalten als die Casein-Proben. Die höchste Peptidmenge fand sich trotzdem im verdauten Esels-Casein. Die Werte aus Tabelle 1 des Papers (Mittelwert ± Standardabweichung):
| Probe | Peptidkonzentration (mg/mL) | Hydrolysegrad (%) |
|---|---|---|
| Kamelmolke | 4,26 ± 0,17 | 75,68 ± 2,70 |
| Kamel-Casein | 3,37 ± 0,07 | 53,06 ± 3,98 |
| Eselsmolke | 3,90 ± 0,45 | 73,41 ± 4,74 |
| Esels-Casein | 4,94 ± 0,06 | 50,25 ± 1,04 |
In den Labortests lag das verdaute Esels-Casein im DPPH-Test vorne (IC50 262,84 µg/mL; IC50 ist die Konzentration, bei der ein Test zur Hälfte gehemmt ist – kleiner heißt stärker im Reagenzglas). Die Eselsmolke lag in diesem Test hinten (IC50 570 µg/mL). In den Tests ABTS und CUPRAC erreichte das Kamel-Casein die höchsten Werte. Bei der Hemmung des Enzyms DPP-IV lagen die Casein-Proben laut Text doppelt so hoch wie die Molke-Proben; für Esels-Casein nennt das Paper einen IC50 von 113,45 µg/mL. Bei der α-Glucosidase erreichte das Esels-Casein einen IC50 von 12,52 µg/mL. Viele weitere Einzelwerte stehen nur in Abbildungen oder sind als „data not shown“ markiert.
Im Reagenzglas zeigten die Peptid-Gemische aus Casein in mehreren chemischen Tests höhere Werte als die aus Molke. Das sind Labormesswerte, keine Aussagen über Vorgänge im Körper.
Kritische Einordnung
- Unbekannte Proben: Zahl der Tiere, Rassen und Zahl der Milchproben werden nicht genannt. Die Milch stammt je Tierart von einem einzigen Betrieb.
- Widersprüche: Für die α-Glucosidase bei den Molke-Proben steht im Text „nicht bestimmt“, im selben Absatz aber Werte von 32,84 und 89,38 %. Als stärkster DPP-IV-Hemmer gilt im Ergebnisteil das Esels-Casein, im Fazit das Kamel-Casein.
- Verdeckte Daten: Mehrere Kernwerte gibt es nur als Abbildung. Die Konzentrationen der Proben in den Tests fehlen.
- Knappe Methodik: Für die Verdauung verweist das Paper nur auf ein Standardprotokoll; pH-Werte und Zeiten stehen nicht im Text. Welche Peptide entstanden, wurde nicht bestimmt.
- Nur Reagenzglas: Radikaltests und isolierte Enzyme sagen nichts darüber, was im Körper geschieht. Die Autorin fordert selbst weitere Studien.
Förderung, Interessenkonflikte und Evidenzstufe
Laut Paper wurde die Arbeit von keiner öffentlichen, kommerziellen oder gemeinnützigen Stelle gefördert. Die Autorin erklärt keine Interessenkonflikte. Zum Artikel ist 2021 eine Korrektur erschienen.
Evidenzstufe: Grundlagenforschung im Reagenzglas (in vitro) – beschreibt Eigenschaften von Peptid-Gemischen in chemischen Tests, keine Aussage über Wirkungen.
Was bedeutet das für Eselsmilch als Lebensmittel?
Die Studie beschreibt, dass bei der simulierten Verdauung von Eselsmilch-Eiweiß Peptid-Gemische entstehen, deren chemisches Verhalten sich zwischen Casein und Molke unterscheidet. Die Autorin deutet die Enzymtests im Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Das wurde nicht untersucht und lässt sich aus Labortests nicht ableiten – wir übernehmen diese Deutung nicht.
Unsere Forschungsfrage: Welche Peptide entstehen genau aus Esels-Casein – und kommen andere Arbeitsgruppen mit mehr Milchproben und offen beschriebenen Bedingungen zu ähnlichen Rangfolgen?
Häufige Fragen
Was ist eine simulierte Verdauung?
Ein Laborverfahren, bei dem Eiweiß nacheinander mit Verdauungsenzymen wie Pepsin und Pankreatin behandelt wird. Es bildet einzelne Schritte der Verdauung im Reagenzglas nach, aber nicht die Vorgänge im Körper.
Was bedeutet der Hydrolysegrad?
Er gibt an, welcher Anteil der Bindungen im Eiweiß gespalten wurde. In dieser Studie lag er bei der Eselsmolke bei 73,41 % und beim Esels-Casein bei 50,25 %.
Wurde Eselsmilch an Menschen getestet?
Nein. Es gab keine Versuche mit Menschen, Tieren oder Zellen – nur chemische und enzymatische Tests im Reagenzglas.
Alle Messwerte, interaktive Grafiken und die vollständige kritische Einordnung findest du auf unserer Forschungsseite: Studie 78: Peptide aus verdauter Esels- und Kamelmilch. Weitere Studien im Forschungsarchiv.
Akan E. (2021). An evaluation of the in vitro antioxidant and antidiabetic potentials of camel and donkey milk peptides released from casein and whey proteins. Journal of Food Science and Technology, 58(10), 3743–3751. DOI: 10.1007/s13197-020-04832-5
Zusammengefasst und geprüft von der DON DONKEY'S Redaktion anhand der Originalpublikation · Stand: Oktober 2026. Diese Zusammenfassung ersetzt nicht die Originalarbeit.
Ende der Studienzusammenfassung. Die Studie wurde unabhängig von DON DONKEY'S® durchgeführt und bezieht sich nicht auf unsere Produkte. Unsere Eselsmilch ist ein Lebensmittel.
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