Inhalt
In Buch 28 seiner Naturgeschichte nennt Plinius Eselsmilch „die wirksamste“ Milch und zählt rund ein Dutzend Anwendungen auf, die man ihr damals zuschrieb – als Wiedergabe fremder Lehrmeinungen.
Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
Die Quelle in Kürze
- Urheber: Plinius der Ältere (Gaius Plinius Secundus)
- Werk: Naturalis historia
- Stelle: Buch 28, §§ 123–130 (Milchabschnitt) und § 158; weitere Einzelstellen u. a. §§ 196, 204, 211
- Zeit und Raum: um 77 n. Chr. · Römisches Reich
- Quellenart: Antike Naturkunde
Im Wortlaut
dulcissimum ab hominis camelinum, efficacissimum ex asinis.
Am süßesten ist nach der Frauenmilch die Kamelmilch, am wirksamsten die von Eselinnen.
Latein, NH 28,123
sunt inter exempla qui asininum bibendo liberati sint podagra chiragraque.
Unter den angeführten Beispielen finden sich Menschen, die durch das Trinken von Eselsmilch von Fuß- und Handgicht befreit worden sein sollen.
Latein, NH 28,125
Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY'S Redaktion.
Hintergrund
Die Bücher 28 bis 32 der „Naturalis historia“ behandeln Heilmittel, die aus Menschen und Tieren gewonnen wurden. Plinius stellt darin zusammen, was griechische und römische Ärzte, Volksmedizin und auch Zauberkundige („Magier“) überliefert hatten. Er selbst war kein Arzt und prüfte die Angaben nicht.
Der Herausgeber Karl Mayhoff (Teubner, Leipzig 1906) verweist im kritischen Apparat bei vielen Milch-Stellen auf parallele Angaben bei Dioskurides, Celsus und anderen. Plinius schöpfte also aus derselben medizinischen Literatur, die auch andere antike Fachautoren nutzten.
Was die Quelle berichtet
Im zusammenhängenden Milchabschnitt (§§ 123–130) ordnet Plinius die Milcharten: Frauenmilch nähre am meisten, nach ihr sei Kamelmilch die süßeste, Eselsmilch aber gelte als die wirksamste. Anschließend nennt er Anwendungen, die man der Eselsmilch zuschrieb: Es gebe Beispiele von Menschen, die durch Eselsmilch von Gicht befreit worden seien (§ 125); sie werde als Gegenmittel nach dem Verschlucken von Gips, Bleiweiß, Schwefel oder Quecksilber gegeben sowie bei hartem Leib im Fieber und als Gurgelmittel bei wundem Rachen (§ 128).
In § 158 wiederholt er die Verwendung als Gegenmittel bei bestimmten Pflanzen- und Tierstoffen und kündigt an, noch viele weitere Anwendungen zu nennen. Tatsächlich erscheint Eselsmilch im weiteren Verlauf von Buch 28 an rund einem Dutzend Stellen, etwa bei Magenbeschwerden (§ 196), Atemnot (§ 197), Durchfall (§ 204) und Stuhldrang (§ 211).
Plinius nennt auch Grenzen: Am Ende des Milchabschnitts (§ 130) zählt er Zustände auf, bei denen Milch allgemein als ungeeignet galt, darunter Kopfschmerzen, Leber- und Milzleiden sowie Fieber – abgesehen vom Einsatz zur Ausleitung.
Zahlen und Fakten
- §§ 123–130 – zusammenhängender Milchabschnitt in Buch 28
- ≈ 12 – Einzelstellen zu Eselsmilch in Buch 28
- 4 – verschluckte Stoffe, gegen die Eselsmilch laut § 128 gegeben wurde
- 2 – Gichtformen in § 125 (podagra, chiragra)
- 1906 – Erscheinungsjahr der Textausgabe von Mayhoff
Kritische Einordnung
- Sammlung, keine Prüfung: Plinius kompiliert Lehrmeinungen und Einzelfälle („sunt inter exempla“). Seine Angaben zeigen, welchen Ruf Eselsmilch in der römischen Heilkunde hatte, sind aber keine geprüften Beobachtungen.
- Heterogene Herkunft: Im selben Buch stehen ärztliche Ratschläge neben magischen Praktiken. Einzelne Angaben lassen sich daher nicht ohne Weiteres als ärztlicher Konsens der Zeit lesen.
- Nicht übertragbar: Die damaligen Krankheitsbegriffe decken sich nicht mit heutigen Diagnosen. Keine der genannten Anwendungen ist heute wissenschaftlich belegt; die Stellen dürfen nicht als Empfehlung verstanden werden.
- Wert für die Medizingeschichte: Gerade die Fülle der Stellen macht das Buch zu einem wichtigen Zeugnis: Eselsmilch galt in der Antike als besondere Milch und wurde deutlich von Kuh-, Ziegen- oder Schafmilch unterschieden.
Unsere Einordnung
Plinius ist eine ausführliche antike Quelle zur Eselsmilch in der Heilkunde. Wir geben seine Aufzählung als Zeugnis antiker Vorstellungen wieder und betonen: Heute ist keine dieser Anwendungen belegt.
Originalzitate, alle Fakten und die vollständige Einordnung: Plinius: Eselsmilch in der antiken Heilkunde. Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv.
Nachweis: Lateinischer Text Buch 28, §§ 123–130, Ausgabe Mayhoff (Perseus); Lateinischer Text Buch 28, § 158, Ausgabe Mayhoff (Perseus); Englische Übersetzung Bostock/Riley 1855, Buch 28, Kap. 33 (Perseus) · Zusammengefasst von der DON DONKEY'S Redaktion, Stand: November 2026.
Ende der Quellenzusammenfassung. Die Quelle bezieht sich nicht auf DON DONKEY'S® oder unsere Produkte. Unsere Eselsmilch ist ein Lebensmittel.
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