Forschung zu Eselsmilch · Studie 6

Esels- und Kuhmilch im Labortest

Daminelli et al. haben 2020 verglichen, wie sich zwei bekannte Lebensmittelbakterien – Listerien und Staphylococcus aureus – in roher Esels- und roher Kuhmilch unter festgelegten Laborbedingungen entwickeln.

Wichtig: Die Milchproben wurden im Labor gezielt mit Bakterien versetzt und anschließend beobachtet. Es handelt sich um einen Modellversuch, nicht um eine Untersuchung handelsüblicher Milch.
Publikation
Daminelli et al.
2020 · Veterinaria Italiana
Studientyp
Vorläufige Laborstudie
(Challenge-Test)
Bedingungen
11 Tage
bei 8 °C
Fokus
Listerien &
Staphylococcus aureus

Worum es geht

Eine Frage der Lebensmittelsicherheit

Eselsmilch enthält viel Lysozym und andere Bestandteile, denen antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben werden. Ob sich daraus im Alltag ein Unterschied zu Kuhmilch ergibt, haben Forschende des Instituts IZSLER in Brescia und der Universität Bari geprüft.

Sie versetzten rohe Esels- und rohe Kuhmilch im Labor mit Listeria monocytogenes und Staphylococcus aureus und verfolgten elf Tage lang, wie sich die Bakterien entwickelten. Zusätzlich maßen sie Milchsäurebakterien und den pH-Wert.

Das Ergebnis fiel anders aus, als man es angesichts des Lysozyms vielleicht erwarten würde – und gerade deshalb gehört es auf diese Seite.

Was genau wurde untersucht?

MilchRohe Eselsmilch und rohe Kuhmilch
BakterienListerien und Staphylococcus aureus, gezielt zugesetzt
GemessenBakterienzahl, Milchsäurebakterien, pH-Wert
Nicht untersuchtHandelsübliche Milch, Verzehr, Erkrankungen
ErgebnisListerien wuchsen in Eselsmilch stärker
GrenzeVorläufige Studie unter Laborbedingungen

Kurz erklärt

Die Begriffe dieser Studie

MethodeChallenge-Test

Ein Lebensmittel wird im Labor gezielt mit Bakterien versetzt, um zu beobachten, ob und wie stark sie sich darin vermehren.

BakterienListerien

Listeria monocytogenes ist ein Bakterium, das auch bei Kühlschranktemperatur wachsen kann und in der Lebensmittelhygiene besonders beachtet wird.

BakterienMilchsäure­bakterien

Natürlich in Milch vorkommende Bakterien, die Milchsäure bilden und dabei den pH-Wert senken.

Messwertlog10 KBE/ml

Bakterienzahlen werden logarithmisch angegeben: Eine Stufe mehr bedeutet zehnmal so viele Keime.

Schritt 01Vorbereiten

Rohe Esels- und rohe Kuhmilch wurden als Versuchsproben bereitgestellt.

Schritt 02Versetzen

Die Proben wurden gezielt mit Listerien bzw. Staphylococcus aureus beimpft.

Schritt 03Lagern

Die Proben standen elf Tage bei 8 °C – eine festgelegte Versuchsbedingung.

Schritt 04Messen

Bakterienzahlen, Milchsäurebakterien und pH-Wert wurden im Verlauf bestimmt.

Interaktiv · Die Daten im Überblick

Elf Tage im Labor

Wie war der Versuch aufgebaut, wie entwickelten sich die Listerien – und was zeigte sich bei Staphylococcus aureus, Milchsäurebakterien und pH-Wert? Schalte zwischen den Ansichten um.

2Milcharten: roh vom Esel, roh von der Kuh
2Bakterien gezielt zugesetzt: Listerien, S. aureus
8 °Cfestgelegte Lagertemperatur im Versuch
11Tage Beobachtung mit wiederholten Messungen

Darstellung der in der Originalpublikation berichteten Mittelwerte. Linien verbinden Start- und Endwert und stellen keinen gemessenen Verlauf dar.

Zentrale Befunde

Was die Forschenden berichten

Listerien

In Eselsmilch stärkeres Wachstum

+2,63log10 · Eselsmilch
+0,95log10 · Kuhmilch
Tag 11: 6,31 vs. 4,59 log10 KBE/ml

Bei gleicher Ausgangsmenge lag die Listerienzahl nach elf Tagen in der rohen Eselsmilch rechnerisch etwa 50-mal höher als in der rohen Kuhmilch.

Staphylococcus aureus

Kein signifikanter Unterschied

≈Eselsmilch
≈Kuhmilch
beide Milcharten vergleichbar

Für Staphylococcus aureus berichten die Autoren keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den beiden Milcharten.

Milchflora & pH

Weniger Milchsäurebakterien, höherer pH

wenigerMilchsäurebakterien
höherpH-Wert
mögliche Erklärung laut Autoren

Eselsmilch enthielt weniger Milchsäurebakterien und hatte einen höheren pH-Wert. Die Autoren sehen darin eine mögliche Erklärung für das stärkere Listerienwachstum.

Die Studie ist als vorläufig bezeichnet. Die Milch wurde gezielt mit Bakterien versetzt und unter festen Bedingungen (11 Tage, 8 °C) gelagert. Der Endwert der Kuhmilch streute stark (± 1,04 log10). Die KBE-Vergleiche sind aus den veröffentlichten Mittelwerten umgerechnet. Ob Milchsäurebakterien oder pH-Wert den Unterschied tatsächlich verursachten, wurde nicht nachgewiesen.

Kritische Einordnung

Ein ehrliches Ergebnis – auch wenn es nicht für Eselsmilch spricht

Was die Studie zeigt

✓
Unter den Versuchsbedingungen wuchsen Listerien in roher Eselsmilch stärker als in roher Kuhmilch.
✓
Bei Staphylococcus aureus gab es keinen signifikanten Unterschied.
✓
Lysozym und andere Bestandteile verhinderten das Listerienwachstum hier nicht.
✓
Milchflora und pH-Wert der beiden Milcharten unterschieden sich deutlich.

Was sie nicht zeigt

×
Keine Aussage darüber, wie häufig Listerien in Eselsmilch tatsächlich vorkommen.
×
Keine Aussage über Erkrankungen nach dem Verzehr.
×
Keine allgemeine Rangfolge der Sicherheit beider Milcharten.
×
Keine Übertragbarkeit auf andere Temperaturen, Chargen oder Verarbeitungen.

Forschungsfrage für DON DONKEY’S®

Was bedeutet das für unsere Arbeit?

Die Studie zeigt: Die Qualität von Eselsmilch hängt nicht allein von ihren natürlichen Bestandteilen ab, sondern von Sorgfalt bei Gewinnung, Kühlung und Verarbeitung. Diesen Anspruch stellen wir an unsere eigene Milch.

01 · MELKHYGIENESaubere Abläufe vom Tier bis zur Abfüllung.
02 · KÜHLKETTERasche Kühlung und Tiefkühlung ohne Unterbrechung.
03 · LABORKONTROLLEKeimzahlen und Erregerbefunde regelmäßig untersuchen lassen.
04 · TRANSPARENZAuch Studien zeigen, die nicht für Eselsmilch sprechen.

Originalpublikation

Raw donkey milk versus raw cow’s milk. A preliminary study to compare the growth of Listeria monocytogenes and Staphylococcus aureus

Daminelli P., Dalzini E., Cosciani-Cunico E., Barrasso R., Bozzo G., Zanardi G.
Veterinaria Italiana · 2020 · 56(2):115–121
IZSLER Brescia, Universität Bari Aldo Moro

DOI: 10.12834/VetIt.2140.13666.1 · PubMed: PMID 33305560
Volltext: PDF der Originalpublikation

Die Publikation beschreibt einen Laborversuch mit gezielt beimpfter Milch. Sie erlaubt keine produktbezogene Aussage für DON DONKEY’S®.

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