Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Plinius der Ältere über Poppaea Sabina und Eselsmilch in der Schönheitspflege

Plinius berichtet um 77 n. Chr., Neros Gattin Poppaea habe 500 Eselinnen mit sich geführt und in deren Milch gebadet. Er gibt außerdem die Meinung wieder, Eselsmilch glätte die Gesichtshaut.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
um 77 n. Chr.Römisches ReichAntike Naturkunde
Urheber
Plinius der Ältere (Gaius Plinius Secundus)
Werk
Naturalis historia
Stelle
Buch 11, § 238 (Kap. 96) und Buch 28, § 183 (Kap. 50)
Zeit & Raum
um 77 n. Chr. · Römisches Reich
Quellenart
Antike Naturkunde

Im Wortlaut

Was im Original steht

Poppaea certe, Domiti Neronis coniunx, quingentas per omnia secum fetas trahens, balnearum etiam solio totum corpus illo lacte macerabat, extendi quoque cutem credens.

Jedenfalls führte Poppaea, die Gattin des Domitius Nero, überallhin fünfhundert säugende Eselinnen mit sich und weichte sogar in der Badewanne ihren ganzen Körper in dieser Milch ein, weil sie glaubte, dadurch werde auch die Haut gestrafft.

LateinNH 11,238

Cutem in facie erugari et tenerescere candore lacte asinino putant.

Man glaubt, dass die Gesichtshaut durch Eselsmilch faltenfrei und bei heller Farbe zart werde.

LateinNH 28,183 (Text Mayhoff)

Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Gaius Plinius Secundus (23/24–79 n. Chr.) war römischer Offizier, Verwaltungsbeamter und Gelehrter. Seine „Naturalis historia“ in 37 Büchern widmete er 77 n. Chr. dem späteren Kaiser Titus. Sie ist eine Wissenssammlung, die nach eigenen Angaben aus Tausenden Einzelangaben älterer Autoren zusammengetragen wurde.

Poppaea Sabina war ab 62 n. Chr. die Ehefrau Kaiser Neros und starb 65 n. Chr. Plinius schrieb also wenige Jahrzehnte nach ihrem Tod, zu einer Zeit, als ihre Prachtentfaltung in Rom noch allgemein bekannt war.

Die beiden Stellen stehen in unterschiedlichen Zusammenhängen: Buch 11 behandelt Milch als tierisches Erzeugnis, Buch 28 die aus Tieren gewonnenen Mittel, hier im Abschnitt über das Gesicht.

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

In Buch 11 beschreibt Plinius zunächst Eigenschaften verschiedener Milcharten und kommt dann auf die Eselsmilch: Ihr werde zugeschrieben, etwas zur hellen Hautfarbe von Frauen beizutragen. Als Beleg nennt er Poppaea, die fünfhundert Eselinnen mit Fohlen überallhin mitgeführt und ihren ganzen Körper in deren Milch gebadet habe, weil sie glaubte, die Haut werde dadurch straffer.

In Buch 28 greift er das Thema erneut auf: Man glaube, Eselsmilch mache die Gesichtshaut glatter und zarter, und manche Frauen benetzten ihre Wangen nach einem festen Ritual damit. Poppaea habe diesen Brauch eingeführt, auch ihre Badewannen so bereitet und sei deshalb von ganzen Herden von Eselinnen begleitet worden.

Plinius formuliert durchgehend vorsichtig: „man glaubt“ (putant), „es wird angenommen“ (existimatur), „sie glaubte“ (credens). Er berichtet eine verbreitete Meinung und einen Brauch, keinen von ihm geprüften Befund.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

500Eselinnen, die Poppaea laut NH 11,238 mitführte
65 n. Chr.Todesjahr Poppaea Sabinas
77 n. Chr.Widmung der Naturalis historia an Titus
37Bücher der Naturalis historia

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Zeitnahe, aber berichtende Quelle

Plinius schrieb nur gut zehn Jahre nach Poppaeas Tod. Er gibt jedoch eine verbreitete Erzählung wieder, ohne zu sagen, woher er die Zahl 500 kennt. Dieselbe Zahl findet sich über ein Jahrhundert später bei Cassius Dio.

Unsichere Zahlen in der Überlieferung

Die Zahlenangaben dieser Stelle unterscheiden sich je nach Handschrift und Textausgabe. Wir geben sie deshalb nicht im Einzelnen wieder.

Glaube statt Nachweis

Plinius kennzeichnet die Wirkung auf die Haut selbst als Annahme. Für die Antike belegt die Stelle eine Schönheitspraxis der römischen Oberschicht, nicht eine nachgewiesene Wirkung.

Heutige Einordnung

Aus der Anekdote lassen sich keine Aussagen über Wirkungen von Eselsmilch auf die Haut ableiten; solche Wirkungen sind durch diese Quelle wissenschaftlich nicht belegt.

Unsere Einordnung

Diese Stellen sind die eigentliche Quelle der bekannten Erzählung vom Eselsmilchbad – und sie handeln von Poppaea, nicht von Kleopatra. Wir zitieren sie als Kulturgeschichte der römischen Schönheitspflege, ohne daraus Wirkversprechen abzuleiten.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.