Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Ein Londoner Eselsmilch-Traktat von 1754 nach dem Arzt Friedrich Hoffmann

Die 50-seitige Schrift übersetzt den Hallenser Arzt Friedrich Hoffmann ins Englische. Sie enthält einfache Vergleichsversuche: Aus 12 Unzen Eselsmilch gewann Hoffmann kaum 2 Drachmen Quark, aus Kuhmilch 10 Drachmen.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
1754 (London)England (London)Medizinische Schrift
Urheber
Friedrich Hoffmann (1660–1742), engl. Übersetzung eines anonymen Übersetzers
Werk
A Treatise of the Extraordinary Virtues and Effects of Asses Milk
Stelle
Vorrede S. iv–viii; Versuche S. 14–15; Gebrauchsregeln S. 45–47 (London: J. Whiston & B. White, 1754)
Zeit & Raum
1754 (London) · England (London)
Quellenart
Medizinische Schrift

Im Wortlaut

Was im Original steht

On the contrary, the same weight of cows milk, treated in the same manner, thickened into a grosser and heavier curd, which ... weighed ten drachms.

Dagegen ergab dieselbe Menge Kuhmilch, ebenso behandelt, einen gröberen und schwereren Quark, der … zehn Drachmen wog.

EnglischS. 14–15

Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Friedrich Hoffmann war Professor in Halle und Leibarzt des preußischen Königs; er starb 1742. Die vorliegende Schrift erschien 1754 in London als englische Übersetzung eines lateinischen Textes von ihm, ergänzt um eine Vorrede, die Meinungen weiterer Ärzte (Moffett, Lemery, Arbuthnot) zusammenstellt.

Die Schrift war für ein Laienpublikum gedacht und für einen Schilling zu haben. Sie gehört in eine Zeit, in der Eselsmilch in London von spezialisierten Händlern ins Haus geliefert wurde und in der die Medizin noch mit Säftelehre und Fallberichten argumentierte – ohne kontrollierte Studien.

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

Schon der Titel verspricht – ganz im Stil der Zeit – Wirkungen bei einer Reihe von Krankheiten. Der Text stützt sich auf antike und frühneuzeitliche Autoritäten sowie auf Einzelfälle aus Hoffmanns Praxis. Solche Aussagen gibt die Schrift als Meinung ihres Autors wieder; sie sind keine Belege im heutigen Sinn.

Interessanter ist ein früher Vergleichsversuch (S. 14–15): Hoffmann ließ zwölf Unzen Eselsmilch gerinnen; der getrocknete Quark wog kaum zwei Drachmen, bei Kuhmilch derselben Menge zehn Drachmen. Er schloss daraus, dass Eselsmilch deutlich weniger „käsige“ Substanz enthalte – eine Beobachtung, die spätere Chemiker bestätigten.

Am Ende (S. 45–47) stehen Gebrauchsregeln, wie sie im 18. Jahrhundert üblich waren: Angaben zu Tageszeit und Menge des Trinkens. Wir geben sie bewusst nicht im Einzelnen wieder, weil sie heute weder als Empfehlung taugen noch nachgeprüft wurden.

Die Vorrede zitiert den Arzt John Arbuthnot: Frauenmilch sei die süßeste, „die nächste“ sei die der Eselin – ein Vergleich, der in der Literatur des 18. Jahrhunderts immer wieder auftaucht.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

1754Erscheinungsjahr der englischen Ausgabe, London
50Seiten Umfang, Preis ein Schilling
2 : 10Drachmen Quark aus 12 Unzen Esels- bzw. Kuhmilch
3in der Vorrede zitierte Ärzte: Moffett, Lemery, Arbuthnot

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Überlieferung

Das Exemplar der Wellcome Collection ist vollständig digitalisiert. Die lateinische Vorlage Hoffmanns wird im Titel genannt; die Übersetzung ist anonym und mit eigenen Zusätzen versehen.

Werbecharakter

Titel und Vorrede sind deutlich werblich. Die Schrift erschien bei einem Verlag, der zugleich andere Gesundheitsratgeber vertrieb, und passt zum blühenden Londoner Eselsmilch-Handel jener Jahre.

Was davon trägt

Die einfachen Gerinnungsversuche weisen auf den geringen Kaseinanteil von Eselsmilch hin, den moderne Analysen bestätigen. Die Heilungsversprechen der Schrift sind dagegen Ausdruck ihrer Zeit, heute wissenschaftlich nicht belegt und nicht übertragbar.

Unsere Einordnung

Ein typisches Beispiel für die „Eselsmilch-Mode“ im England des 18. Jahrhunderts: viel Verheißung, wenig Beweis. Wir zeigen die Schrift vor allem wegen Hoffmanns früher Vergleichsversuche mit Kuhmilch.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.