Eselsmilch-Studie: Milchmenge im Jahreslauf (Salari et al., 2022)

Ein Team der Universität Pisa hat 20 Milcheselinnen über zehn Monate begleitet. Die Tagesmilch sank bis zum 10. Monat deutlich, Kasein nahm mit jeder Abfohlung ab.

4 Min. LesezeitVon DON DONKEY'S

Forschung zu Eselsmilch, Studie 86: Milchmenge nach Laktation, Parität und Jahreszeit
Inhalt
  1. Die Studie im Steckbrief
  2. Welche Frage stellten die Forschenden?
  3. So wurde untersucht
  4. Die Ergebnisse
  5. Kritische Einordnung
  6. Förderung, Interessenkonflikte und Evidenzstufe
  7. Was bedeutet das für Eselsmilch als Lebensmittel?
  8. Häufige Fragen

Wie viel Milch gibt eine Eselin am Tag – und warum schwankt das? Ein Team der Universität Pisa hat 20 Milcheselinnen der italienischen Rasse Amiata über zehn Monate begleitet. Gemessen wurden Milchmenge und Zusammensetzung, dazu Blutwerte und das Hormon Cortisol im Mähnenhaar. Die wichtigste Beobachtung: Die Tagesmilch sank bis zum 10. Laktationsmonat deutlich, und der Kaseingehalt nahm mit jeder weiteren Abfohlung ab.

Wichtig

Beobachtungsstudie an Eselinnen eines einzelnen Betriebs – sie beschreibt Milchmenge und Milchzusammensetzung und macht keine Aussage über eine Wirkung beim Menschen. Eselsmilch ist ein Lebensmittel.

2022Italien
n = 20Amiata-Eselinnen
BeobachtungStudientyp

Die Studie im Steckbrief

Merkmal Angabe
Originaltitel Impact of Variability Factors on Hair Cortisol, Blood Count and Milk Production of Donkeys
Autorinnen und Autoren Salari F., Mariti C., Altomonte I., Gazzano A., Martini M.
Zeitschrift Animals, 12(21): 3009
Jahr 2022
Land Italien (Betrieb in Mittelitalien, Universität Pisa)
Studientyp Beobachtungsstudie mit wiederholten Messungen an denselben Tieren
Stichprobe 20 Amiata-Eselinnen (5 Erstgebärende, 7 Zweitgebärende, 8 Mehrgebärende), je 60 Milch-, Blut- und Haarproben
DOI 10.3390/ani12213009

Welche Frage stellten die Forschenden?

Die Gruppe wollte wissen, wie drei Faktoren mit Milchleistung, Milchzusammensetzung, Blutbild und Haar-Cortisol von Milcheselinnen zusammenhängen: die Laktationsphase (wie lange die Geburt zurückliegt), die Parität (wie oft eine Eselin schon abgefohlt hat) und die Jahreszeit.

So wurde untersucht

  1. Tiere und Haltung: 20 Amiata-Eselinnen lebten im Freien in halbintensiver Haltung. Sie bekamen Mischheu nach Belieben und etwa 2,5 kg Kraftfutter pro Tier und Tag.
  2. Melkroutine: Im ersten Monat blieb die Milch ganz dem Fohlen. Ab Tag 30 wurden die Eselinnen zweimal täglich mit der Maschine gemolken, um 11 und um 15 Uhr. Die Fohlen wurden jeweils vier Stunden vor dem Melken von der Mutter getrennt.
  3. Probenahme: Im 1., 6. und 10. Monat nach der Geburt wurden von jeder Eselin Milch, Blut und Mähnenhaar gesammelt.
  4. Analysen: Milchmenge per Milchmengenmesser an der Melkmaschine, Zusammensetzung per Infrarot-Analyse, somatische Zellzahl (Zellen in der Milch) per Fluoreszenzverfahren. Cortisol im Haar per Enzymtest-Kit – Cortisol lagert sich im wachsenden Haar ab und gilt als Langzeit-Messwert.

Die Ergebnisse

Die Tagesmilch war im 1. und 6. Monat ähnlich und lag im 10. Monat deutlich niedriger. Gleichzeitig sank der Eiweißgehalt, und der Harnstoff in der Milch stieg. Fett, Kasein, Laktose und Trockenmasse änderten sich über die Laktation nicht signifikant.

Messgröße 1. Monat 6. Monat 10. Monat
Tagesmilch (mL) 1.535,01 1.337,67 868,91
Eiweiß (%) 1,57 1,44 1,41
Harnstoff (mg/mL) 20,74 37,63 43,82
Zellzahl (Anzahl × 1000) 8,67 3,73 12,80
Haar-Cortisol (pg/mg) 11,74 8,66 9,37

Bei der Parität zeigte sich ein klares Muster: Kasein lag bei Erstgebärenden bei 1,01 %, bei Zweitgebärenden bei 0,90 % und bei Mehrgebärenden bei 0,63 %. Auch das Gesamteiweiß nahm ab (1,64 %, 1,51 %, 1,27 %). Der Fettgehalt war bei den Erstgebärenden am niedrigsten (0,16 %). Die Tagesmilch unterschied sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Im Frühjahr–Sommer gaben die Eselinnen im Mittel 1.411,62 mL pro Tag, im Herbst–Winter 1.188,46 mL (p = 0,049). Kasein und Laktose lagen im Frühjahr–Sommer etwas niedriger, Harnstoff höher.

Kurz gesagt

In dieser Herde sank die Tagesmilch zum Ende der Laktation deutlich. Kasein und Eiweiß hingen mit der Zahl der Abfohlungen zusammen, Milchmenge und einige Bestandteile mit der Jahreszeit.

Kritische Einordnung

  • Kleine Stichprobe: 20 Tiere, ein Betrieb, eine Rasse. In der kleinsten Gruppe (Erstgebärende) waren es nur fünf Eselinnen.
  • Der Wert im 1. Monat: Im ersten Monat ging die Milch ans Fohlen, gemolken wurde ab Tag 30. Wie der 1-Monats-Wert genau erhoben wurde, beschreibt das Paper nicht.
  • Große Streuung: Der Fehlerterm (RMSE) der Tagesmilch lag bei 425,418 mL. Einzelne Tiere wichen also stark vom Mittel ab.
  • Ungleiche Gruppen: 12 Eselinnen fohlten im Frühjahr–Sommer, 8 im Herbst–Winter. Wechselwirkungen zwischen den drei Faktoren werden in den Tabellen nicht ausgewiesen.
  • Deutungen: Den Anstieg der Zellzahl im 10. Monat deuten die Autoren als mögliche natürliche Rückbildung der Milchdrüse, das erhöhte Haar-Cortisol im 1. Monat als vorübergehende Belastung rund um die Geburt. Beides sind Interpretationen.

Förderung, Interessenkonflikte und Evidenzstufe

Gefördert wurde die Arbeit von der Universität Pisa (Programm PRA 2017, Projekt zur Milchleistung von Milcheseln). Die Autorinnen und Autoren erklären keine Interessenkonflikte.

Evidenzstufe: Beobachtungsstudie an Nutztieren (Milch-, Blut- und Haaranalyse) – beschreibt Milchleistung und Zusammensetzung, keine Aussage über Wirkungen beim Menschen.

Was bedeutet das für Eselsmilch als Lebensmittel?

Die Studie zeigt, dass Eselsmilch kein Produkt mit immer gleicher Zusammensetzung ist. Menge, Eiweiß und Kasein hingen in dieser Herde vom Laktationsstadium, von der Zahl der Abfohlungen und von der Jahreszeit ab. Die Unterschiede sind teils klein, etwa bei der Laktose. Übertragbar sind die Zahlen nur eingeschränkt, denn Rasse, Fütterung und Melkroutine unterscheiden sich von Hof zu Hof.

Unsere Forschungsfrage: Wie groß sind solche Schwankungen bei Handmelkung und anderer Haltung – und wie zeigen wir sie transparent, zum Beispiel über den Laktationsmonat der Charge?

Häufige Fragen

Wie viel Milch gab eine Eselin in dieser Studie?

Im Mittel 1.535,01 mL pro Tag im 1. Monat, 1.337,67 mL im 6. Monat und 868,91 mL im 10. Monat. Gemolken wurde zweimal täglich, das Fohlen trank zusätzlich.

Was bedeutet Parität?

Die Zahl der bisherigen Geburten. Erstgebärende haben einmal abgefohlt, Mehrgebärende mindestens dreimal. In dieser Studie sank der Kaseingehalt mit jeder Abfohlung.

Warum wurde Cortisol im Haar gemessen?

Cortisol lagert sich im wachsenden Haar ab und spiegelt einen längeren Zeitraum wider als eine Blutprobe. Die Forschenden nutzten es als Hinweis auf Belastungen der Tiere. Es ist ein Messwert der Eselinnen, keine Eigenschaft der Milch.

Ausführliche Studienseite

Alle Messwerte, interaktive Grafiken und die vollständige kritische Einordnung findest du auf unserer Forschungsseite: Studie 86: Milchmenge nach Laktation, Abfohlung und Jahreszeit. Weitere Studien im Forschungsarchiv.

Originalquelle

Salari F., Mariti C., Altomonte I., Gazzano A., Martini M. (2022). Impact of Variability Factors on Hair Cortisol, Blood Count and Milk Production of Donkeys. Animals, 12(21), 3009. DOI: 10.3390/ani12213009

Zusammengefasst und geprüft von der DON DONKEY'S Redaktion anhand der Originalpublikation · Stand: Oktober 2026. Diese Zusammenfassung ersetzt nicht die Originalarbeit.


Ende der Studienzusammenfassung. Die Studie wurde unabhängig von DON DONKEY'S® durchgeführt und bezieht sich nicht auf unsere Produkte. Unsere Eselsmilch ist ein Lebensmittel.

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