Inhalt
Nein. Rasenschnitt gehört nicht zu Eseln – auch dann nicht, wenn er frisch ist und „nur Gras“ zu sein scheint. Geschnittenes Gras gärt schnell, wird von Eseln oft hastig gefressen und kann so Kolik und Schlundverstopfung begünstigen. Dazu kommt: Im Gartenabfall landen schnell Pflanzen, die für Esel giftig sind.
Gras ist doch Gras – warum ist Rasenschnitt anders?
Auf der Weide rupft ein Esel Halm für Halm ab. Er kaut lange und verteilt das Fressen über viele Stunden. Rasenschnitt ist das Gegenteil: kurz gehäckselt, auf einem Haufen und in kurzer Zeit in großen Mengen aufzunehmen.
- Hastiges Fressen: Weil die Halme schon klein sind, wird weniger gekaut. Große, schlecht eingespeichelte Bissen können im Schlund stecken bleiben.
- Gärung: Ein Haufen Rasenschnitt erwärmt sich schnell, vor allem im Sommer. Er beginnt zu gären, manchmal schon, bevor er beim Esel ankommt. Gärendes Futter kann die Verdauung stark belasten und Koliken begünstigen.
- Zucker: Ein Rasen wird ständig kurz gehalten und liefert deshalb fast nur junges Gras. Junges Gras ist vergleichsweise zuckerreich. Zu viel Zucker gilt als Hauptrisiko für Hufrehe beim Esel.
Esel stammen aus kargen Regionen und sind keine kleinen Pferde. Ihr Verdauungssystem ist auf faserreiches, energie- und zuckerarmes Futter ausgelegt. Ein Eimer frisches, junges Gras passt dazu nicht.
Das unterschätzte Risiko: was sonst im Gartenabfall steckt
Selbst wer nur den Rasen mäht, erwischt dabei oft mehr als Gras. Und zwischen Rasenschnitt landen schnell Heckenschnitt, Laub oder Unkraut. Einige typische Gartenpflanzen gelten für Pferde und Esel als giftig:
| Pflanze | Wo sie oft vorkommt |
|---|---|
| Eibe | Hecken, Formschnitt, Friedhöfe und Parks |
| Thuja (Lebensbaum) | Sichtschutzhecken |
| Kirschlorbeer | immergrüne Hecken |
| Jakobskreuzkraut | Wegränder, Brachflächen, verwilderte Wiesen; bleibt auch getrocknet giftig |
| Buchsbaum, Goldregen | Beeteinfassungen, Ziergärten |
Die Liste ist nicht vollständig. Hinzu kommen Rückstände von Rasendünger, Moos- oder Unkrautvernichtern, kleine Steine, Plastikreste oder Hundekot. Wer einen Haufen Schnittgut über den Zaun gibt, weiß meist selbst nicht genau, was darin steckt.
Gut gemeint: wie du als Nachbar wirklich hilfst
Die meisten Menschen, die Rasenschnitt zur Eselweide bringen, meinen es gut. Gras klingt nach Esel, und wegwerfen wäre schade. Für die Tiere ist es trotzdem die falsche Hilfe. Das kannst du stattdessen tun:
- Entsorge Rasenschnitt über den Kompost oder die Grünabfallsammlung, nie über den Zaun einer Weide.
- Füttere fremde Esel nie ohne Erlaubnis der Halter. Auch kein Gras, kein Obst, kein Brot.
- Sprich die Halter an, wenn du helfen möchtest. Oft freuen sie sich über ganz andere Dinge, etwa einen Hinweis auf einen offenen Zaun.
- Respektiere Schilder wie „Bitte nicht füttern“. Sie haben einen Grund.
Und wenn du selbst Esel hältst: Ein freundliches, gut lesbares Schild am Zaun und ein kurzes Gespräch mit den Nachbarn verhindern die meisten Rasenschnitt-Gaben.
Was tun, wenn dein Esel Rasenschnitt gefressen hat?
Entferne den Rest sofort und schau dir an, was im Haufen lag: nur Gras oder auch Heckenschnitt, Laub, Blumen? Schätze grob ab, wie viel gefressen wurde. Beobachte deinen Esel dann aufmerksam: Frisst er wie gewohnt, setzt er Kot ab, verhält er sich wie sonst?
Wenn er größere Mengen erwischt hat, wenn möglicherweise Giftpflanzen dabei waren oder wenn dir etwas ungewöhnlich vorkommt, ruf deine Tierärztin oder deinen Tierarzt an. Gib keine Hausmittel und keine Medikamente auf eigene Faust.
Was stattdessen auf den Speiseplan gehört
Esel brauchen vor allem Stroh, ergänzend spät geschnittenes, strukturreiches Heu, frisches Wasser und eine begrenzte, magere Weide. Wie das konkret aussieht, erklärt Esel Futter: Heu oder Stroh?. Warum auch Küchenreste keine gute Idee sind, liest du in Dürfen Esel Salat fressen?, und was im Herbst auf der Weide gefährlich werden kann, in Dürfen Esel Kastanien fressen?. Zur Gestaltung der Fläche passt Esel-Haltung: Sand statt Wiese. Den kompletten Überblick findest du hier: Was Esel fressen dürfen: die komplette Futterliste.
Häufige Fragen
Kann ich Rasenschnitt trocknen und als Heu verfüttern?
Nein. Rasenschnitt trocknet auf dem Haufen ungleichmäßig, schimmelt leicht, und Fremdstoffe bleiben darin. Heu für Esel wird anders gewonnen und gelagert.
Und wenn es ganz frischer, sauberer Schnitt ohne andere Pflanzen ist?
Auch dann nicht. Das Problem ist nicht nur, was im Haufen steckt, sondern auch, wie Esel ihn fressen: schnell, viel, wenig gekaut. Dazu kommt der Zucker im jungen Gras.
Dürfen Esel Heckenschnitt oder Äste aus dem Garten fressen?
Nein. Gerade Heckenschnitt ist riskant, weil typische Heckenpflanzen wie Eibe, Thuja oder Kirschlorbeer als giftig gelten. Äste zum Knabbern gibst du nur, wenn du die Pflanze sicher kennst und sie als geeignet gilt.
Dürfen Esel Gras vom Wegrand fressen?
Nicht empfehlenswert. Am Wegrand wachsen oft Jakobskreuzkraut und andere ungeeignete Pflanzen, dazu kommen Hundekot und Müll. Und fremde Esel fütterst du ohnehin nie ohne Erlaubnis der Halter.
Dieser Beitrag gibt allgemeine Orientierung zur Fütterung von Eseln. Bei Fragen zu deinem Tier, bei Vorerkrankungen oder Auffälligkeiten wende dich bitte an deine Tierärztin oder deinen Tierarzt.
Du möchtest Eseln etwas Gutes tun, ohne selbst einen zu halten? Mit einer Eselpatenschaft unterstützt du Eselhöfe in Deutschland. Und wer neugierig auf das Lebensmittel ist, für das wir als DON DONKEY'S® stehen, findet hier unsere Eselsmilch.
Käuferschutz