Forschung zu Eselsmilch · Studie 12

Ein Muttermilch­zusatz aus Eselsmilch

Bertino et al. haben in Turin eine randomisierte Studie mit 156 Frühgeborenen durchgeführt. Ihre Muttermilch wurde entweder mit einem neu entwickelten Zusatz aus Eselsmilch oder mit einem üblichen Zusatz auf Kuhmilchbasis angereichert. Es ist die Ausgangsstudie der FortiLat-Reihe.

Wichtig: Untersucht wurde ein klinisches Spezialprodukt für die Neonatologie, keine Eselsmilch zum Trinken. Eselsmilch ist kein Ersatz für Muttermilch oder Säuglingsnahrung – die Ernährung von Frühgeborenen gehört in ärztliche Hände.
Publikation
Bertino et al.
2019 · JPGN
Studientyp
Randomisierte,
offene Studie
Teilnehmende
156 Frühgeborene
(77 + 79)
Fokus
Verträglichkeit des
Muttermilchzusatzes

Worum es geht

Wie verträglich ist der neue Zusatz?

Sehr kleine Frühgeborene brauchen mehr Eiweiß und Energie, als Muttermilch allein liefert. In der Klinik wird ihre Muttermilch deshalb mit einem Fortifier angereichert. Übliche Zusätze basieren auf Kuhmilch.

Forschende der Universität Turin und des italienischen Forschungsrats CNR haben einen Zusatz aus Eselsmilch entwickelt: FortiLat. In dieser Studie wurde geprüft, ob Frühgeborene ihn besser vertragen als den Standardzusatz. Beide Gruppen erhielten eine vergleichbare Energie- und Eiweißzufuhr.

FortiLat wurde durch Membranfiltration, Wärmebehandlung und Gefriertrocknung aus Eselsmilch hergestellt und war zum Studienzeitpunkt nicht im Handel erhältlich.

Was genau wurde untersucht?

InterventionMuttermilch mit Zusatz und Eiweißkonzentrat aus Eselsmilch
VergleichMuttermilch mit Zusatz und Eiweißkonzentrat auf Kuhmilchbasis
GemessenUnverträglichkeit, NEC, Todesfälle, Ernährungsaufbau, Wachstum
Nicht getestetEselsmilch zum Trinken oder reine Eselsmilch
HauptergebnisWeniger Ereignisse, aber kein signifikanter Unterschied
SekundärWeniger Erbrechen und gallige Magenreste

Kurz erklärt

Die Begriffe dieser Studie

ProduktFortifier

Ein Zusatz, mit dem Muttermilch für Frühgeborene mit Eiweiß, Energie und Mineralstoffen angereichert wird.

EreignisUnverträglichkeit

Hier: eine Pause der Ernährung von mindestens 8 Stunden, etwa wegen Erbrechen oder Magenresten.

ErkrankungNEC

Nekrotisierende Enterokolitis – eine schwere Darmerkrankung, die vor allem sehr kleine Frühgeborene betrifft.

StatistikKonfidenz­intervall

Der Bereich, in dem der wahre Effekt plausibel liegt. Schließt er „kein Unterschied“ ein, ist das Ergebnis nicht signifikant.

Schritt 01Zuteilen

156 Frühgeborene wurden zufällig einem der beiden Zusätze zugeteilt: 77 Eselsmilch, 79 Kuhmilch.

Schritt 02Anreichern

21 Tage lang wurde die Muttermilch mit dem jeweiligen Zusatz angereichert und laufend angepasst.

Schritt 03Beobachten

Erfasst wurden Unverträglichkeit, NEC, Todesfälle, Ernährungsaufbau und Wachstum.

Schritt 04Nachbeobachten

Folgearbeiten untersuchten später Wachstum und Entwicklung mit 18 Monaten sowie Allergien im Schulalter.

Interaktiv · Die Daten im Überblick

Vier Blicke auf 156 Frühgeborene

Wie wurde verteilt, was ergab der Hauptendpunkt, was die Nebenanalysen – und wo gab es keinen Unterschied? Schalte zwischen den Ansichten um.

Eselsmilch-Zusatz (77)Kuhmilch-Zusatz (79)

Darstellung der in der Originalpublikation berichteten Werte mit 95-%-Konfidenzintervallen. Die Anordnung der Punkte ist schematisch.

Zentrale Befunde

Was die Forschenden berichten

Hauptendpunkt

Weniger Ereignisse – nicht signifikant

46 %relative Risikoreduktion
0,100p-Wert
Tod, NEC oder Unverträglichkeit

Mit Eselsmilch-Zusatz traten diese Ereignisse seltener auf. Das breite Konfidenzintervall schließt jedoch „kein Unterschied“ ein.

Nebenanalysen

Weniger Erbrechen und gallige Magenreste

0,041p · Erbrechen
0,009p · gallige Magenreste
wiederholte Unverträglichkeit: HR 0,40

In der Gruppe mit Eselsmilch-Zusatz gab es pro Kind weniger solcher Episoden. Da mehrere Endpunkte getestet wurden, sind diese Befunde vorsichtig zu lesen.

Ernährungsaufbau & Wachstum

Kein Unterschied

19 TageEselsmilch-Zusatz
19 TageKuhmilch-Zusatz
bis zur vollen Ernährung (Median)

Auch das Wachstum bis zur Entlassung unterschied sich zwischen den Gruppen nicht.

Die Studie war offen angelegt (die Zuteilung war bekannt), lief in einem Zentrum, und in der Kontrollgruppe traten mit 24 % deutlich weniger Ereignisse auf als bei der Planung angenommen (45 %). Laut Publikation sind mehrere Autorinnen und Autoren Erfinder eines Patents auf den Eselsmilch-Zusatz.

Kritische Einordnung

Ein Hinweis, kein Nachweis

Was die Studie zeigt

✓
Ein Muttermilchzusatz aus Eselsmilch ließ sich in einer randomisierten Studie bei Frühgeborenen einsetzen.
✓
Beim Hauptendpunkt traten weniger Ereignisse auf – ohne statistische Signifikanz.
✓
In Nebenanalysen gab es weniger Erbrechen, gallige Magenreste und wiederholte Unverträglichkeit.
✓
Ernährungsaufbau und Wachstum waren in beiden Gruppen vergleichbar.

Was sie nicht zeigt

×
Keine nachgewiesene Überlegenheit des Eselsmilch-Zusatzes.
×
Keine unabhängige Bestätigung – ein Zentrum, offenes Design, begrenzte Fallzahl.
×
Keine Aussage über reine Eselsmilch oder Eselsmilchpulver als Lebensmittel.
×
Keine Aussage zur Eignung von Eselsmilch für Säuglinge.

Forschungsfrage für DON DONKEY’S®

Was trennt einen klinischen Rohstoff von einem Lebensmittel?

FortiLat zeigt, dass aus Eselsmilch ein standardisiertes Spezialprodukt entstehen kann. Die zugrunde liegende Technologie ist von der Universität Turin und dem CNR zum Patent angemeldet (WO2015056166, EP3057450B1). Für uns ist das ein Anlass, die Qualität unserer Milch genau zu dokumentieren – und die Grenze zwischen Lebensmittel und klinischer Ernährung klar zu ziehen.

01 · ZUSAMMENSETZUNGEiweißprofil und mikrobiologische Qualität über mehrere Chargen erfassen.
02 · VERARBEITUNGVerstehen, welche Anforderungen Filtration und Trocknung an den Rohstoff stellen.
03 · SCHUTZRECHTEBestehende Patente respektieren und fachlich prüfen lassen.
04 · AUSTAUSCHGespräche mit Forschungs- und Klinikpartnern suchen.

Originalpublikation

A Novel Donkey Milk–derived Human Milk Fortifier in Feeding Preterm Infants: A Randomized Controlled Trial

Bertino E., Cavallarin L., Cresi F., Tonetto P., Peila C., Ansaldi G., Raia M., Varalda A., Giribaldi M., Conti A., Antoniazzi S., Moro G. E., Spada E., Milani S., Coscia A.
Journal of Pediatric Gastroenterology and Nutrition · 2019 · 68(1):116–123
Neonatologie der Universität Turin, CNR-ISPA, CREA, Italian Association of Human Milk Banks, Universität Mailand

DOI: 10.1097/MPG.0000000000002168
Volltext: PMC6314716

Die Publikation beschreibt eine Studie mit einem Spezialprodukt für Frühgeborene. Sie erlaubt keine Aussage über Eselsmilch oder Eselsmilchpulver als Lebensmittel und keine produktbezogene Aussage für DON DONKEY’S®.

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