Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Varro über Eselsmilch: Milcharten in der römischen Landwirtschaftslehre

Der römische Gelehrte Varro reihte 37 v. Chr. die Milcharten: Am nahrhaftesten sei Schafmilch, am stärksten abführend Stutenmilch – Eselsmilch folgte an zweiter Stelle.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
37 v. Chr.Römische Republik (Italien)Römische Agrarschrift
Urheber
Marcus Terentius Varro
Werk
Res rusticae (Gespräche über die Landwirtschaft)
Stelle
Buch 2, Kap. 11, § 1; ergänzend Buch 2, Kap. 8, § 2
Zeit & Raum
37 v. Chr. · Römische Republik (Italien)
Quellenart
Römische Agrarschrift

Im Wortlaut

Was im Original steht

Lacte est omnium rerum, quas cibi causa capimus, liquentium maxime alibile, et id ovillum, dein caprinum. Quod autem maxime perpurget, est equinum, tum asininum, dein bubulum, tum caprinum.

Milch ist von allen flüssigen Dingen, die wir zur Ernährung zu uns nehmen, die nahrhafteste, und zwar die Schafmilch, danach die Ziegenmilch. Am stärksten abführend aber ist die Stutenmilch, dann die Eselsmilch, dann die Kuhmilch, dann die Ziegenmilch.

LateinVarro, rust. 2,11,1

Pullum asininum a partu recentem subiciunt equae, cuius lacte ampliore fiunt, quod id lacte quam asininum ad alimonia dicunt esse melius.

Ein neugeborenes Eselsfohlen legt man einer Stute an, durch deren Milch es kräftiger wird; denn man sagt, diese Milch sei für die Aufzucht besser als Eselsmilch.

LateinVarro, rust. 2,8,2

Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Marcus Terentius Varro (116–27 v. Chr.) war ein vielseitiger Gelehrter der späten römischen Republik. Seine „Res rusticae“ in drei Büchern schrieb er im Jahr 37 v. Chr. in Dialogform; das zweite Buch behandelt die Viehzucht, darunter Schafe, Ziegen, Rinder, Esel, Pferde und Maultiere.

Varro schreibt als Gutsbesitzer für Gutsbesitzer: Ihn interessieren Auswahl, Zucht, Fütterung und Ertrag der Tiere. Milch und Wolle bezeichnet er als „außerordentlichen Ertrag“ der Herden, den er am Ende des zweiten Buches eigens bespricht.

Sein Wissen über Milch verbindet bäuerliche Erfahrung mit der griechischen Medizin seiner Zeit, die Nahrungsmittel nach Nährwert und abführender Wirkung einteilte.

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

Im Abschnitt über die Milch stellt Varro zwei Rangfolgen auf: nach dem Nährwert (Schafmilch vor Ziegenmilch) und nach der abführenden Wirkung (Stutenmilch, dann Eselsmilch, dann Kuhmilch, dann Ziegenmilch). Eselsmilch steht damit bei ihm an zweiter Stelle der abführenden Milcharten.

Varro betont, dass sich Milch je nach Futter, Tier und Zeitpunkt des Melkens unterscheide: Milch von Tieren auf grüner Weide wirke stärker abführend als Milch von Tieren, die mit Gerste, Stroh und trockenem Futter versorgt wurden; Milch junger, kräftiger Tiere sei besser als die alter Tiere.

Eine zweite Stelle stammt aus dem Kapitel über die Maultierzucht: Neugeborene Eselsfohlen, die später als Zuchthengste für Maultiere dienen sollten, legte man Stuten an, weil deren Milch für die Aufzucht als besser galt als Eselsmilch.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

37 v. Chr.Abfassungsjahr der Res rusticae
3Bücher des Werks; Buch 2 behandelt die Viehzucht
2,11,1Stellenangabe des Milchabschnitts

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Fachautor aus der Praxis

Varro schreibt aus Sicht der Landwirtschaft. Seine Einordnung der Milcharten gibt das Erfahrungswissen und die medizinischen Lehrmeinungen seiner Zeit wieder, nicht überprüfte Ergebnisse.

Übereinstimmung mit griechischen Ärzten

Die Einstufung von Stuten- und Eselsmilch als stärker abführend findet sich ähnlich bereits in der hippokratischen Schrift „Über die Diät II“ (Kap. 41). Varro steht damit in einer längeren Tradition.

Sachlicher Wert

Besonders aufschlussreich sind seine Hinweise, dass Futter, Alter der Tiere und Melkzeitpunkt die Milch beeinflussen. Dass Fütterung die Milchzusammensetzung verändert, untersuchen auch heutige Studien.

Heutige Einordnung

Die Aussage zur abführenden Wirkung ist eine historische Lehrmeinung. Sie ist wissenschaftlich heute nicht belegt und nicht als Verzehrempfehlung zu verstehen.

Unsere Einordnung

Varro interessiert uns als Praktiker: Er beschreibt Eselsmilch im Alltag eines römischen Landguts und weist darauf hin, dass Futter und Tier die Milch prägen. Seine Rangfolge der Abführwirkung bleibt ein Zeugnis antiker Lehrmeinung.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.