Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle
Eselsmilch in den Briefen der Madame de Sévigné (1679–1680)
In zwei Briefen an ihre Tochter erwähnt die Marquise de Sévigné Eselsmilch als Kur in ihrem Pariser Bekanntenkreis – „abends und morgens“ getrunken. Die Briefe zeigen, wie selbstverständlich Eselsmilch im Frankreich Ludwigs XIV. war.
- Urheber
- Marie de Rabutin-Chantal, Marquise de Sévigné (1626–1696)
- Werk
- Lettres (Briefe an ihre Tochter, die Comtesse de Grignan), Ausgabe Monmerqué
- Stelle
- Brief Nr. 749 (Livry, 1. November 1679), Bd. 6; Brief Nr. 865 (Paris, 30. Oktober 1680), Bd. 7
- Zeit & Raum
- 1679–1680 · Frankreich (Paris, Livry)
- Quellenart
- Briefliteratur
Im Wortlaut
Was im Original steht
elle revient à vue d’œil avec du lait d’ânesse le soir et le matin
sie erholt sich zusehends mit Eselsmilch, abends und morgens
Mme de la Fayette a passé ici l’après-dînée entière ; elle se trouve fort bien du lait d’ânesse.
Madame de La Fayette hat den ganzen Nachmittag hier verbracht; sie fühlt sich mit der Eselsmilch sehr wohl.
Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.
Hintergrund
Wer, wann, welche Art Text
Madame de Sévigné schrieb über Jahrzehnte Briefe an ihre Tochter in der Provence. Sie gelten als ein bedeutendes Zeugnis des Alltags der französischen Oberschicht im 17. Jahrhundert und wurden im 19. Jahrhundert von Louis Monmerqué kritisch herausgegeben.
Die Briefe sind private Mitteilungen, keine medizinischen Texte. Sie spiegeln wider, was in adligen Kreisen über Ernährung und Kuren gesprochen wurde – auf dem Wissensstand einer Zeit, die Krankheiten noch nach der Säftelehre deutete.
Inhalt
Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet
Im Brief vom 1. November 1679 aus Livry berichtet Sévigné von einer jungen Bekannten, Madame de Nesmond, die an einer schweren Brusterkrankung gelitten habe. Nach Sévignés Schilderung erholte sie sich „zusehends“, während sie abends und morgens Eselsmilch trank. Im selben Brief bedauert Sévigné, dass ihre Tochter Eselsmilch ablehne, weil sie sie nicht vertrage und ihr widerstrebe.
Im Brief vom 30. Oktober 1680 aus Paris erwähnt sie beiläufig, die Schriftstellerin Madame de La Fayette („La Princesse de Clèves“) habe den Nachmittag bei ihr verbracht und fühle sich mit der Eselsmilch sehr wohl.
Beide Stellen zeigen Eselsmilch als ärztlich verordnete oder selbst gewählte Trinkkur in der Pariser Gesellschaft – nicht als Kosmetikum, sondern als Getränk.
Auf einen Blick
Zahlen & Fakten aus der Quelle
Kritische Einordnung
Wie verlässlich ist diese Quelle?
Echtheit
Die Briefe sind gut überliefert und in der wissenschaftlichen Ausgabe von Monmerqué mit Briefnummern und Datierung frei zugänglich.
Art der Aussage
Es handelt sich um persönliche Eindrücke einer Briefschreiberin, nicht um Beobachtungen eines Arztes. Ob die Besserung mit der Eselsmilch zusammenhing, lässt sich daraus nicht ableiten.
Heutige Einordnung
Die Stellen belegen eine verbreitete Gewohnheit, keine Wirkung. Gesundheitliche Wirkungen von Eselsmilch, wie sie damals angenommen wurden, sind heute wissenschaftlich nicht belegt und nicht übertragbar.
Unsere Einordnung
Für uns sind diese Briefe ein lebendiges Alltagszeugnis: Eselsmilch war im 17. Jahrhundert in Paris ein gängiges Getränk der Oberschicht. Medizinisch sagen die Briefe nichts Belastbares aus – sie erzählen Kulturgeschichte.
Nachweise
Quellen zum Nachprüfen
- PrimärquelleFranzösischer Text, Bd. 6, Brief 749 (Wikisource)
https://fr.wikisource.org/wiki/Lettres_de_Madame_de_S%C3%A9vign%C3%A9/%C3%89dition_Monmerqu%C3%A9/Volume_6/Texte_entier#749._%E2%80%94_DE_MADAME_DE_S%C3%89VIGN%C3%89_%C3%80_MADAME_DE_GRIGNAN. - PrimärquelleFranzösischer Text, Bd. 7, Brief 865 (Wikisource)
https://fr.wikisource.org/wiki/Lettres_de_Madame_de_S%C3%A9vign%C3%A9/%C3%89dition_Monmerqu%C3%A9/Volume_7/Texte_entier#865._%E2%80%94_DE_MADAME_DE_S%C3%89VIGN%C3%89_%C3%80_MADAME_DE_GRIGNAN.
Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.
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