Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Parmentier und Deyeux (1799): Eselsmilch in einem frühen Milchvergleich

Die beiden Pariser Chemiker verglichen Milch von Frau, Kuh, Ziege, Eselin, Schaf und Stute. In ihrer Rangtabelle steht Eselsmilch beim Molkenanteil an erster und beim Milchzucker an zweiter Stelle.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
An VII (1799)Frankreich (Paris/Straßburg)Frühe Milchchemie
Urheber
Antoine-Augustin Parmentier (1737–1813) und Nicolas Deyeux (1745–1837)
Werk
Précis d’expériences et observations sur les différentes espèces de lait
Stelle
„Du lait d’ânesse“, S. 260–264; Melkpraxis S. 207–208; Rangtabelle S. 418–419 (Straßburg/Paris, An VII)
Zeit & Raum
An VII (1799) · Frankreich (Paris/Straßburg)
Quellenart
Frühe Milchchemie

Im Wortlaut

Was im Original steht

Après le lait de vache c’est le lait d’ânesse dont la médecine tire le meilleur parti; l’usage s’en est conservé depuis les Grecs jusqu’à nous

Nach der Kuhmilch sei es die Eselsmilch, von der die Medizin [ihrer Zeit] den meisten Gebrauch mache; dieser habe sich seit den Griechen erhalten.

FranzösischS. 260

Le lait d’ânesse est, parmi les différentes espèces de lait, un de ceux qui contiennent le moins de matière caséeuse.

Eselsmilch gehöre unter den verschiedenen Milcharten zu denen mit dem geringsten Anteil an käsiger Substanz.

FranzösischS. 263

Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Parmentier, bekannt als Förderer der Kartoffel in Frankreich, und der Apotheker Deyeux reichten 1788 eine Preisschrift bei der Société royale de médecine ein. Die Frage lautete, die Natur der Milch von Frau, Kuh, Ziege, Eselin, Schaf und Stute durch vergleichende physikalische und chemische Untersuchung zu bestimmen. Die preisgekrönte Arbeit erweiterten sie zu diesem Buch.

Die Chemie stand um 1800 am Anfang: Man trennte Milch in Rahm, Butter, „Käsestoff“, Molke und „Milchsalz“ (Milchzucker), konnte aber noch keine Eiweiße im heutigen Sinn bestimmen. Die Autoren betonen selbst, dass genaue Mengenangaben wegen der Schwankungen zwischen Tieren nicht möglich seien.

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

Im Kapitel „Du lait d’ânesse“ (S. 260–264) beschreiben die Autoren Eselsmilch als in Farbe, Geschmack und Konsistenz der Frauenmilch ähnlich, chemisch aber unterscheidbar. Der Rahm sei nie dick oder reichlich, die daraus gewonnene Butter weich und weiß. Säuren und Alkohol ließen den Käsestoff in sehr feinen Teilchen ausfallen statt in einer festen Masse wie bei Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch.

Beim Milchzucker beobachteten sie deutliche Unterschiede zwischen den Tieren: Drei gleiche Portionen von drei Eselinnen lieferten jeweils merklich verschiedene Mengen. Der gewonnene Milchzucker sei dem der Frauen- und Kuhmilch gleich.

Eine praktische Beobachtung (S. 207–208): Wenn eine Eselin von Haus zu Haus geführt und für mehrere Kranke nacheinander gemolken wurde, erhielt der Erste die wässrigste, der Letzte die fettreichste Milch. Die Autoren schlugen daher vor, einmal zu melken und das Gemelk aufzuteilen.

In der Rangtabelle am Schluss (S. 418) ordnen sie die sechs Milcharten: Beim Molkenanteil („sérum“) steht die Eselin an erster, beim Milchzucker („sel essentiel“) an zweiter, bei Butter und Käsestoff an hinterer Stelle. Frauen-, Esels- und Stutenmilch fassen sie als eigene Gruppe zusammen.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

6verglichene Milcharten (Frau, Kuh, Ziege, Eselin, Schaf, Stute)
1788Preisschrift für die Société royale de médecine
1.Rang der Eselsmilch beim Molkenanteil (Tabelle S. 418)
2.Rang beim Milchzucker, nach Frauenmilch
3Eselinnen lieferten deutlich verschiedene Zuckermengen

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Wissenschaftlicher Wert

Eine frühe systematische Vergleichsuntersuchung verschiedener Milcharten, preisgekrönt und vollständig digitalisiert. Die Rangfolge stimmt in der Tendenz mit modernen Analysen überein.

Grenzen

Es gibt keine Prozentwerte; die Autoren verzichten bewusst darauf, weil die Proben zu stark schwankten. Die damaligen Methoden sind nach heutigem Maßstab grob.

Heutige Einordnung

Die medizinischen Bemerkungen geben die ärztliche Praxis um 1800 wieder und sind heute nicht übertragbar. Der chemische Teil ist dagegen ein wertvolles Stück Wissenschaftsgeschichte.

Unsere Einordnung

Für uns eine aufschlussreiche Quelle dieser Epoche: Hier wird Eselsmilch früh und systematisch chemisch mit anderen Milcharten verglichen. Dass die Ergebnisse von Tier zu Tier schwankten, beschreiben auch heutige Studien.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.