Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Krünitz’ Oeconomische Encyclopädie (1777): Eselsmilch im Artikel „Esel“

Die umfangreiche deutsche Oeconomische Encyclopädie beschreibt Eselsmilch 1777 als „mager“ im Vergleich zur Kuhmilch und der Menschenmilch näher – und gibt ein zeittypisches Ersatzrezept für „künstliche Eselsmilch“ wieder.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
1777Preußen (Berlin)Enzyklopädie
Urheber
Johann Georg Krünitz (1728–1796)
Werk
Oeconomische Encyclopädie, Bd. 11
Stelle
Artikel „Esel“, Bd. 11 (1777), S. 547–548; Verweisartikel „Eselsmilch“
Zeit & Raum
1777 · Preußen (Berlin)
Quellenart
Enzyklopädie

Im Wortlaut

Was im Original steht

Die Milch der Eselinnen ist, in Vergleichung mit der Kuhmilch, mager, und eben deswegen bedienen sich die Aerzte derselben, um Kranke wieder herzustellen, weil der Magen solcher Personen die fettere Kuhmilch nicht vertragen kann.

Laut Krünitz ist Eselsmilch im Vergleich zur Kuhmilch mager; deshalb hätten Ärzte sie Kranken gegeben, deren Magen die fettere Kuhmilch nicht vertrug.

DeutschBd. 11, S. 547

In Ansehung der Stärkung, kommt sie der Menschenmilch weit näher, als die Milch einer Kuh

Hinsichtlich ihrer nährenden Eigenschaften stehe sie der Menschenmilch weit näher als Kuhmilch.

DeutschBd. 11, S. 547

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Die „Oeconomische Encyclopädie“ wurde 1773 von Johann Georg Krünitz begonnen und erschien bis 1858 in 242 Bänden. Sie ist eine sehr umfangreiche deutschsprachige Enzyklopädie und eine Schlüsselquelle für Landwirtschaft, Haushalt und Alltag im Übergang zur Industriegesellschaft. Die Universitätsbibliothek Trier hat sie vollständig im Volltext erschlossen.

Der Absatz zur Eselsmilch folgt in weiten Teilen wörtlich der französischen Naturgeschichte Buffons (1753) und ergänzt sie um deutsche Literaturhinweise aus den 1760er- und 1770er-Jahren.

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

Krünitz beschreibt Eselsmilch als magerer als Kuhmilch und in ihren nährenden Eigenschaften der Menschenmilch näher. Ihr Gebrauch als Arzneimittel habe sich „von den Griechen her bis auf uns erhalten“. Für gute Milch solle man eine junge, gesunde Eselin wählen, die kurz zuvor gefohlt habe, das Fohlen absetzen und das Tier mit Heu, Hafer, Gerste und Kräutern füttern.

Es folgen Literaturhinweise, darunter „Anmerkungen über den medicinischen Gebrauch der Eselsmilch“ (Leipzig 1767) und ein Bericht im Leipziger Intelligenzblatt von 1775 darüber, unter welchen Bedingungen „melkende Eselinnen für Patienten geschafft“ wurden.

Da nicht überall Eselinnen verfügbar waren und manche Menschen Widerwillen gegen das Getränk hatten, gibt der Artikel – nach einer Hamburger Zeitschrift von 1765 – ein Ersatzrezept für „künstliche Eselsmilch“ auf Basis von Kuhmilch mit Zutaten wie Hirschhorn, Mannstreuwurzel und Schnecken. Wir geben es nur als kulturgeschichtliches Kuriosum wieder, ausdrücklich nicht zur Nachahmung.

Wie Buffon hält Krünitz fest, die den übrigen Körperteilen des Esels zugeschriebenen Kräfte seien durch die Erfahrung „entweder vernichtet, oder wenigstens nicht bestätiget“ worden.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

1777Erscheinungsjahr von Band 11
S. 547–548Absatz zu Eselsmilch im Artikel „Esel“
242Bände umfasst die Encyclopädie (1773–1858)
1767zitierte Schrift zum Gebrauch der Eselsmilch (Leipzig)

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Abhängigkeit von Buffon

Der Kernabsatz ist eine nahezu wörtliche Übersetzung aus Buffons Histoire naturelle (Bd. IV, 1753, S. 402). Eigenständig sind die deutschen Literaturhinweise und das Ersatzrezept.

„Künstliche Eselsmilch“

Das Rezept zeigt, wie begehrt Eselsmilch war – und wie wenig man über ihre Zusammensetzung wusste. Eine Mischung aus Hirschhorn, Schnecken und Kuhmilch hat mit Eselsmilch stofflich nichts gemein.

Heutige Einordnung

Krünitz’ Vergleich mit Kuh- und Menschenmilch beruht auf Beobachtungen seiner Zeit; heute wird die Zusammensetzung mit modernen Analysemethoden untersucht. Die beschriebene arzneiliche Verwendung entspricht dem Wissensstand des 18. Jahrhunderts und ist heute wissenschaftlich nicht belegt.

Unsere Einordnung

Krünitz zeigt, wie Wissen über Eselsmilch im 18. Jahrhundert durch Europa wanderte – von Buffon direkt ins deutsche Nachschlagewerk. Das Schneckenrezept ist eine schöne Erinnerung daran, wie viel sich seither verändert hat.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.