Wissensarchiv Eselsmilch · Historische Quelle

Eselsmilch im Hippokratischen Corpus: die Schrift „Über die Krankheiten II“

Die griechische Lehrschrift aus der Zeit um 400 v. Chr. nennt Eselsmilch in mehr als zehn Kapiteln – meist als Getränk, das nach einem Abführmittel gegeben wurde, oft im Wechsel mit Molke.

Historische Darstellung: Die hier wiedergegebenen Angaben spiegeln den Wissensstand ihrer Zeit wider. Sie sind wissenschaftlich nicht belegt, keine Empfehlung und nicht auf heute übertragbar. Eselsmilch ist ein Lebensmittel, kein Heilmittel.
um 400 v. Chr.Antikes GriechenlandAntike Medizinschrift
Urheber
Hippokratisches Corpus (anonymer Verfasser, knidische Tradition)
Werk
De morbis II (Über die Krankheiten, Buch 2)
Stelle
u. a. Kap. 13, 38, 40, 51, 55, 66–68, 70, 72, 74 (Zählung nach Littré, Bd. VII)
Zeit & Raum
um 400 v. Chr. · Antikes Griechenland
Quellenart
Antike Medizinschrift

Im Wortlaut

Was im Original steht

καὶ ἢν μὴ σπληνώδης ἔῃ, ὄνου γάλα ἢ ὀῤῥὸν μετάπισον.

Und wenn er nicht an der Milz leidet, gib ihm danach Eselsmilch oder Molke zu trinken.

AltgriechischMorb. II 38

Τοῦτον φάρμακον πιπίσκειν, καὶ ὀῤῥὸν καὶ γάλα ὄνου πινέτω·

Diesem gebe man ein Arzneimittel zu trinken, und er soll Molke und Eselsmilch trinken.

AltgriechischMorb. II 70

Deutsche Wiedergabe: eigene, sinngemäße Übersetzung der DON DONKEY’S Redaktion.

Hintergrund

Wer, wann, welche Art Text

Das Hippokratische Corpus ist eine Sammlung von rund sechzig griechischen Medizinschriften, die unter dem Namen des Arztes Hippokrates von Kos überliefert sind, aber von verschiedenen, meist unbekannten Verfassern des späten 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. stammen. Die Schrift „Über die Krankheiten II“ (lateinisch De morbis II) wird in der Forschung der sogenannten knidischen Tradition zugerechnet: Sie beschreibt Krankheitsbilder knapp nacheinander und ordnet jedem ein Behandlungsschema zu.

Grundlage dieser Medizin war die Säftelehre. Krankheit galt als Störung im Verhältnis der Körpersäfte; Ziel vieler Behandlungen war es, überschüssige Säfte nach oben oder unten „auszuleiten“. Milch, Molke und Getreidesäfte wurden in diesem Denken vor allem nach ihrer abführenden oder nährenden Wirkung eingeordnet.

Der hier verwendete Text folgt der zweisprachigen Ausgabe von Émile Littré (Œuvres complètes d’Hippocrate, Bd. VII, Paris 1851), die gemeinfrei online zugänglich ist. Auch andere Schriften des Corpus erwähnen Eselsmilch, etwa „Über die Natur der Frau“ und „Über die Diät II“ (Kap. 41, wo Stuten- und Eselsmilch als stärker abführend eingestuft werden).

Inhalt

Was die Quelle zu Eselsmilch berichtet

In „Über die Krankheiten II“ taucht Eselsmilch (γάλα ὄνου bzw. ὄνειον γάλα) in mehr als zehn Kapiteln auf. Das Muster ist fast immer gleich: Zuerst wird ein Arzneimittel „nach unten“ (ein Abführmittel) oder „nach oben“ (ein Brechmittel) gegeben, danach soll der Kranke Eselsmilch oder Molke trinken. Die Milch erscheint damit als Teil der ausleitenden Behandlung, nicht als eigenständiges Mittel.

Mehrfach knüpft der Verfasser die Gabe an Bedingungen: In Kapitel 38 (eine Form der Gelbsucht) und Kapitel 55 soll Eselsmilch nur gegeben werden, wenn der Kranke nicht „milzleidend“ ist. Ist er es, rät der Text in Kapitel 55 ausdrücklich davon ab, mit Getreidesäften, Milch oder Molke auszuleiten.

Kapitel 70 beschreibt einen genauen Ablauf: zuerst Molke, danach Eselsmilch, anschließend eine Zeit ohne feste Nahrung und erst dann leichte Speisen. In Kapitel 51 folgt auf Molke oder Eselsmilch eine Phase mit Kuhmilch. Die Schrift unterscheidet also bewusst zwischen den Milcharten.

Die Kapitel behandeln Leiden, die nach heutigem Verständnis kaum sicher zuzuordnen sind, etwa Fieberformen, Gelbsucht oder Beschwerden von Kopf, Brust und Bauch. Die damaligen Krankheitsnamen lassen sich nicht ohne Weiteres in moderne Diagnosen übersetzen.

Auf einen Blick

Zahlen & Fakten aus der Quelle

um 400 v. Chr.ungefähre Entstehungszeit der Schrift
> 10Kapitel, in denen Eselsmilch genannt wird
Molkegängige Alternative zur Eselsmilch im Text
1851Erscheinungsjahr von Littrés Band VII mit dem Text

Kritische Einordnung

Wie verlässlich ist diese Quelle?

Was die Quelle belegt

Die Schrift zeigt, dass Eselsmilch in der griechischen Medizin um 400 v. Chr. ein fester Bestandteil von Behandlungsschemata war. Sie belegt eine ärztliche Praxis, nicht deren Wirksamkeit.

Medizinischer Hintergrund

Die Verordnungen beruhen auf der antiken Säftelehre und dem Prinzip der Ausleitung. Dieses Krankheitsverständnis gilt heute als überholt; die Anweisungen sind nicht auf heutige Verhältnisse übertragbar.

Verfasserschaft und Überlieferung

Der Text stammt nicht von Hippokrates persönlich, sondern aus einer anonymen Ärzteschule. Kapitelzählung und Wortlaut folgen der Ausgabe Littrés aus dem 19. Jahrhundert; neuere Editionen können abweichen.

Heutige Einordnung

Eine gesundheitliche Wirkung von Eselsmilch lässt sich aus dieser Quelle nicht ableiten. Sie ist ein medizinhistorisches Zeugnis und wissenschaftlich heute nicht belegt.

Unsere Einordnung

Für uns ist diese Schrift ein frühes, gut prüfbares Zeugnis dafür, dass griechische Ärzte Eselsmilch kannten und gezielt von anderer Milch unterschieden. Wir lesen sie als Kulturgeschichte – Gesundheitsversprechen leiten wir daraus ausdrücklich nicht ab.

Nachweise

Quellen zum Nachprüfen

Weitere Quellen und Studien im Forschungsarchiv. Zusammengefasst von der DON DONKEY’S Redaktion, Stand: November 2026.